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©Chillio.C

Land Art: zeitgenössische Kunst unter freiem Himmel

Die in den sechziger Jahren entstandene Land Art rühmt die Schönheit der Natur. Im Musée Gassendi und im CAIRN Centre d’Art in Digne-les-Bains können Sie majestätische zeitgenössische Kunstwerke unter freiem Himmel bewundern. Die in ungebändigte Landschaften eingebetteten Kreationen erzählen die Geschichte der Orte und der Menschen, die dort lebten.

Land Art

Begegnung von Kunst und Natur

Die Ende der sechziger Jahre in den Wüsten des amerikanischen Westens entstandene Land Art verkörpert die Verschmelzung von Kunst und Natur. Die Natur wird nicht mehr lediglich auf einer Leinwand dargestellt, gemalt und gepriesen. Zu jener Zeit wandten sich die Land-Art-Künstler von den Museen und den konventionellen Schaffensprozessen ab und machten die Natur zu ihrer Inspirationsquelle, ihrem Rohmaterial und ihrem Atelier. Holz, Sand, Steine, Felsen – die von der Erde gespendeten Elemente werden an Naturschauplätzen zu oft monumentalen, bisweilen vergänglichen Werken erweckt. In Südfrankreich können Sie sich im Musée Gassendi und im CAIRN Centre d’Art mit der geheimnisvollen, versöhnlichen Welt der Land Art vertraut machen.

Gassendi-Museum

Auf Entdeckung der „Kunstpfade“

Das in Digne-les-Bains zwischen den Alpen und der Provence gelegene Musée Gassendi baut seit etwa zwanzig Jahren eine Sammlung mit Werken zeitgenössischer Kunst mitten in der Natur auf. Diese in die Felslandschaften der Haute-Provence eingebetteten Werke finden wir bei der Wanderung entlang der „Parcours d’art“. Zu diesen „Parcours d’art“ gehört auch das „Refuge d’art“ des britischen Land-Art-Meisters Andy Goldsworthy. Das „Refuge d’art“ ist ein Werk in Form eines 150 Kilometer langen Wanderwegs durch das geologische Reservat der Haute-Provence, der in etwa 10 Tagen absolviert wird. Dieser einzigartige Kunstpfad führt die Wanderer vorbei an mehreren, auf ehemaligen Wohnhäusern errichteten „Refuges“, die zugleich Werke und Wanderhütten sind.

Die „aufeinanderfolgenden Schichten, aus denen die Vielfalt eines Ortes besteht“

Die Werke von Andy Goldsworthy sind in der menschlichen Geschichte der Orte verwurzelt, in denen sie sich entfalten. Der Künstler erläutert: „Indem ich meine Arbeit an einem Ort verwirkliche, an dem bereits etwas vorhanden ist, an dem bereits Menschen gelebt haben, werden mein Leben und meine Kunst in ihren Kontext versetzt. Ich betrachte die Landschaft als eine Abfolge von Schichten, von denen ich die letzte Schicht bin. Ich identifiziere mich mit der Geologie und mit der Art und Weise, in der die Wesen ihre Anwesenheit und ihr Leben in aufeinanderfolgenden Schichten ablegen, aus denen die Vielfalt eines Ortes besteht.“

River of Earth“ von Andy Goldsworthy

Mit „River of Earth“ enthüllt sich die Stärke der Land Art auch im Innern des Gassendi-Museums. Dieses Monumentalwerk wurde von Andy Goldsworthy im Jahr 2000 direkt in einem der Museumssäle geschaffen. Der Künstler hat dafür das althergebrachte Strohlehmverfahren verwendet. Die dem natürlichen Bindemittel aus Lehm und Wasser hinzugefügten Pflanzenfasern ersetzte er in diesem Fall durch Haare. Auch hier versuchte Goldsworthy, die Geschichte des Ortes in sein Werk einzubinden: „Mein Werk ist so sehr vor Ort verwurzelt, dass es sich nicht von seinem Entstehungsort trennen lässt: Das Werk ist der Ort.“ So fügt sich „River of Earth“ perfekt in die Dauersammlungen des Musée Gassendi ein, die ebenfalls die Beziehungen zwischen Mensch und Wissenschaft schildern.

CAIRN Centre d’Art

Kreativlabor unter freiem Himmel

Das ebenso in Digne-les-Bains ansässige, auf Initiative des Musée Gassendi entstandene CAIRN Centre d’Art setzt diesen Sprung in die Welt der Land Art fort. Hier erforschen wir alle Formen der Kunst, die mit der Natur in Verbindung stehen. Und dies grenzenlos: das CAIRN umfasst eine Sammlung mit auf das ganze Pays Dignois auf über 200.000 Hektar verstreuten Werken, darunter erneut Andy Goldsworthy, Paul-Armand Gette, Herman de Vries, Mark Dion, Richard Nonas …

Der „Marcel-Weg“

Jedes Werk preist den Ort, der den Menschen mit der Natur verbindet, wie beispielsweise der auf 900 Metern Höhe in Prads-Haute-Bléone gelegene „Sentier Marcel“ von Till Roeskens. Roeskens begeisterte sich für die Tätigkeit der Hirten und sammelte die Erinnerungen der einheimischen Schäfer wie Marcel Segond, der diesen Berg seit fast einem Jahrhundert bewohnt. Das Werk ist eine Abfolge von Fragmenten der Biografie von Marcel, die entlang eines Weges angeordnet sind, den er sein ganzes Leben lang gegangen ist. Roeskens äußert dazu: „Das künstlerische Werk ist nicht nur diese Form, die man am Ende sieht. Die Tatsache, dass Räume durchquert werden, ist Teil des Werks. Man weiß nicht genau, wo das Werk steckt, und das ist gut so.“ Das Werk ist ein Bergweg, aber auch ein Lebensweg.

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