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Zeitgenössische Kunst in der Region Provence‑Alpes‑Côte d’Azur

Zeitgenössische Kunst hinterfragt und kritisiert unsere Zeit und trägt dazu bei, uns Bilder der Welt der Zukunft zu vermitteln. In der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur von Toulon bis Marseille, Arles und Saint-Paul-de-Vence erkunden wir ihr unorthodoxes exzentrisches Universum, das immer wieder neu zum Nachdenken anregt.

Zeitgenössische Kunst

Was ist das?

Die Benennung zeitgenössische Kunst ist ein Oberbegriff. Seit den 1970er Jahren gibt es keine von den Kritikern deutlich identifizierten Strömungen mehr. Zeitgenössische Kunst oder Gegenwartskunst bezeichnet daher die Kunst, die in die Fußstapfen der vorhergehenden, aus der modernen Kunst und der Avantgarde stammenden künstlerischen Strömungen tritt. Im Prinzip zeichnet sich zeitgenössische Kunst durch ihre starke kritische und nachdenkliche Dimension aus. Sie stellt ihre eigenen Entstehungsvoraussetzungen in Frage, doch natürlich auch ihre Zeit und deren gesellschaftliche Problemstellungen: Politik, Geschichte, Herrschaftsbeziehungen, Gender, Ökologie, Rassismus usw. Zeitgenössische Kunst stammt heute aus aller Welt, und Europa, Amerika, Afrika, Asien und Ozeanien sind an diesem unaufhörlichen Dialog beteiligt.

Kunstmuseum Toulon

Minimalismus und Konzeptkunst

Unter den herausragenden Werken des Kunstmuseums Toulon befindet sich die „Blaue Progression“ von Donald Judd aus dem Jahr 1975. Die mit mathematischer Präzision zusammengestellten Aluminiumkörper spiegeln die Essenz des Anfang der 60er Jahre in den USA entstandenen Minimalismus wider. Der aus dem Bauhaus hervorgegangene Minimalismus vertritt Kunst durch Subtraktion: um sich voll zu entfalten, muss das Werk bis zum Äußersten reduziert werden. Im Kunstmuseum Toulon sind auch Werke der beiden berühmten Vertreter der Konzeptkunst Sol LeWitt und Daniel Buren zu sehen. Diese Kunstströmung stellte die Regeln der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf den Kopf: das Werk erhält seitdem seine Kraft durch sein Konzept, durch den von ihm vermittelten Gedanken, und nicht mehr durch seine ästhetischen Merkmale.

Espace de l’Art Concret

Im Reich der Konkreten Kunst

Der Espace de l’Art Concret (EAC) in Mouans-Sartoux beherbergt wohl eine der reichhaltigsten und vielfältigsten zeitgenössischen Kunstsammlungen des Südens. In diesem Museum sind zahlreiche Strömungen vertreten, darunter natürlich die Konkrete Kunst, eine in Abgrenzung zur abstrakten Kunst entstandene künstlerische Bewegung, die vom Postulat ausging, dass Kunst in jedem Fall greifbar sei. Einer der führenden Vertreter der Konkreten Kunst ist im Übrigen der Schweizer Künstler und Kunstsammler Gottfried Honegger, der den EAC gründete. In Mouans-Sartoux werden auch Werke des Minimalismus und der Konzeptkunst oder des BMPT (im Dezember 1966 von Daniel Buren, Olivier Mosset, Michel Parmentier und Niele Toroni gegründete Künstlergruppe) ausgestellt. Zu guter Letzt überrascht uns ein rosafarbenes Werk von Dominique Figarella, das vollständig mit Kaugummi überzogen ist!

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Maeght-Stiftung

Monory, Christo, Chillida, Tapiès …

Neben Werken großer Meister der modernen Kunst (Kandinsky, Calder, Braque) beherbergt die Stiftung von Marguerite und Aimé Maeght in Saint-Paul de Vence auch Werke berühmter Vertreter der zeitgenössischen Kunst, beispielsweise von Jacques Monory, dessen von der Farbe Blau beherrschtes und von Dunkelheit geprägtes Werk der Narrativen Figuration zugeordnet wird. Die Fondation Maeght stellt drei seiner Gemälde aus: „Pompeji“ (1971), „Dream Tiger Nr. 4“ (1972) und „Tiger Nr. 5“ (2008). Wir halten auch vor den Werken des Künstlers Christo inne, der zusammen mit seiner Frau unter anderem für die Verhüllung des Reichstags in Berlin 1995 bekannt ist. 2016 empfing die Stiftung eine 9 Meter hohe, 17 Meter lange und 9 Meter breite Installation (eine aus 1106 Ölfässern bestehende „Mastaba“), von der sie heute die Zeichnung aufbewahrt. Der Besuch der Maeght-Stiftung ist außerdem eine Gelegenheit, um die Granitskulptur „Iru Burni“ von Eduardo Chillida kennenzulernen sowie ein Gemälde, Zeichnungen und Lithografien von Antoni Tapiès, dessen Werk Abstraktion mit Symbolismus verbindet.

Mucem

Zeitgenössische Kunst und mediterrane Zivilisationen

Das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums Mucem ist seit seiner Eröffnung 2013 ein Wahrzeichen von Marseille und hinterfragt unsere Gesellschaften anhand von Ausstellungen, die bildende Kunst, Anthropologie, Geschichte und zeitgenössische Kunst miteinander verbinden. Neben den „Klassikern“ (Gemälde, Drucke, Möbel, Trachten, Schmuck usw.) finden wir dort jede Saison zeitgemäße Neuerwerbungen aus dem Bereich der Stadtkultur oder des Industriekulturerbes. Im Fort Saint-Jean veranstaltet das Georges-Henri-Rivière-Gebäude außerdem mit schöner Regelmäßigkeit Ausstellungen, die sich dem zeitgenössischen Kunstschaffen im Mittelmeerraum widmen, wie beispielsweise „Spuren, Fragmente eines zeitgenössischen Tunesiens“ (2015), „Albanien“ (2017), „Persona, Werke rumänischer Künstler“ (2018) oder „Afghanistan auf Gefahr der Kunst“ (2019). Auf die nächsten Überraschungen des Mucem können wir also gespannt sein.

Frac

Zeitgenössische Kunst in ihrer ganzen Vielfalt

Der ebenfalls in Marseille ansässige Fonds régional d’Art Contemporain (FRAC) erweist sich als regelrechter Spielplatz, um einen ersten Blick auf zeitgenössische Kunst zu wagen. Dieses Labor für künstlerische Experimente beherbergt über 1000 Werke aller Art: Gemälde, Fotografien, Videos, Skulpturen, Installationen, Zeichnungen … Mit Künstlern wie Joan Mitchell (abstrakter Expressionismus), die für ihre großformatigen, bunt schattierten Bilder bekannt ist, oder Pierre Soulages (abstrakte Kunst), dem Vater des als „Outrenoir“ bezeichneten Lichtspiels aus dem durch Schwarz erzeugten Relief, spiegeln die Ausstellungsstücke die Vielfalt und den Reichtum der zeitgenössischen Kunstströmungen wider. Wir finden dort auch Werke von Ben, der mit seinen weißen Inschriften auf schwarzem Hintergrund berühmt wurde, oder Bilder der amerikanischen Fotografin Nan Goldin, deren Werk von der Parallele zwischen Foto und Erinnerung geprägt ist.

Van Goghs Vermächtnis

Van-Gogh-Stiftung

Die Fondation Van Gogh hält in Arles, wenige Kilometer von Saint-Rémy-de-Provence entfernt, die Erinnerung an den berühmten Maler aufrecht. Mitten in der römischen Stadt, in der sich Van Gogh 1888 angezogen vom Licht der Provence niedergelassen hatte, verbindet die Fondation Van Gogh das Werk des Meisters mit zeitgenössischem Kunstschaffen. Als Bezugspunkt für Leben und Werk des Künstlers erbringt die Stiftung den Beweis für den beträchtlichen Einfluss seiner Arbeit auf Generationen von Malern. Das ganze Jahr über werden zeitgenössische Künstler bei Ausstellungen eingeladen, ihre Beziehungen zum Werk von Van Gogh anhand ihrer eigenen Kreationen zum Ausdruck zu bringen. Der Ort an sich ist bereits eine Hommage an den Maler. Die Stiftung befindet sich in einem ehemaligen Stadtpalais aus dem 15. Jahrhundert, das in den 1920er Jahren von der Banque de France belegt war. Das Glasdach des Gebäudes verherrlicht das Licht des Südens, das im Werk des Malers eine Schlüsselrolle einnahm.

Estrine-Museum

In Saint-Rémy-de-Provence, wo Vincent Van Gogh seine größten Meisterwerke schuf, zeigt das Musée Estrine zeitgenössische Arbeiten, die direkt vom niederländischen Meister des Fauvismus inspiriert sind. Ihnen allen gemein ist eine starke Bindung zur Provence. Im Musée Estrine begegnen wir daher den Menschen, Tieren, Akten, Landschaften, Stillleben und Blumen der Gemälde von Bernard Buffet (Expressionismus) und den Kreationen von Edouard Pignon, der sich insbesondere mit der Arbeiterklasse, der Feldarbeit, dem Krieg und sonnigen Landschaften beschäftigte. Das Museum zeigt ebenfalls Werke von Vincent Bioulès, einem der Gründungsmitglieder der Gruppe Supports/Surfaces und Anhänger gleichmäßig farbiger Flächen. Die 1969 in Frankreich entstandene Gruppe Supports/Surfaces bevorzugt Werke, die nicht auf herkömmliche Weise durch Wahl eines Themas und Malen auf Leinwand geschaffen werden, sondern die die Betonung auf die Träger und die Materialien (Rahmen, Leinwand) legen. Es werden verschiedene Werkzeuge verwendet (Bäusche, Schablonen, Schwämme, Pistolen, Scheren, Stäbe), und die verwendeten Materialien haben Vorrang gegenüber der Darstellung.

Réattu-Museum

Das Arles der Gegenwart

Das am Rhone-Ufer in einem bemerkenswerten Gebäude eingerichtete Musée Réattu zeigt neben bedeutenden lokalen Künstlern aus dem 20. Jahrhundert Werke großer zeitgenössischer Künstler und aufstrebender Künstler. Mit Werken des Bildhauers Toni Grand und Kreationen von Pierre Buraglio ist hier erneut die Gruppe Supports/Surfaces vertreten. Im Musée Réattu können wir uns außerdem mit den Werken von Pierre Alechinsky vertraut machen, der der Cobra-Gruppe zugerechnet wird, einem internationalen kollektiven künstlerischen Abenteuer, das als Reaktion auf die Auseinandersetzungen zwischen Abstraktion und Figuration entstand. Der Rundgang endet mit einem Rückblick in die 70er Jahre in Form der „Mopedkompression“ von César.

MAC

Supports/Surfaces, Basquiat und Rauschenberg

Das vollständig renovierte Musée d’Art Contemporain (MAC) von Marseille (Wiederöffnung 2021) beherbergt Werke der Neuen Realisten (60er Jahre) sowie neuere zeitgenössische Werke. Wir finden dort auch Kreationen der Gruppe Supports/Surfaces von Vincent Bioulès (ausgestellt im Estrine-Museum) und von Toni Grand. Weitere Vorzeigekünstler des MAC sind der Pionier der amerikanischen Avantgarde Jean-Michel Basquiat mit seinem Gemälde „King of the Zulus“ und der Performance-Künstler Chris Burden. Last not least bewundern wir das Werk des amerikanischen Objektkünstlers Robert Rauschenberg, darunter AAPCO, eine dreidimensionale Assemblage aus Holz, Karton und Schnur.

Neues Nationalmuseum Monaco

Platz der neuen Generation

Im Nouveau Musée national de Monaco (NMNM), einer Hochburg der Kunst im Fürstentum, widmet sich ein Teil der Sammlungen der zeitgenössischen Kunst. Es beherbergt Werke über Landschaft und Territorium, über Bühnenkunst und Performance sowie über Kunst und Wissenschaft. Neben den Werken zeitgenössischer Künstler, die rund um die Villa Paloma und die Villa Sauber zu sehen sind („Glockentasche“ von Jean Dubuffet, „Schuhkollektion“ von Michel Blazy, „Modified Social Benches“ von Jeppe Hein …), stellt das NMNM die Werke einer neuen Generation zeitgenössischer Künstler aus. Dazu gehören der Zeichner Nick Mauss, der Video- und Grafikkünstler Camille Henrot und Francesco Vezzoli, der sich mit Werbung und Film beschäftigt.

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