Beschreibung
Das Museum Estrine und das Museum der Abtei Saint-Claude veranstalten gemeinsam eine Ausstellung über Marine Wallon.
Marine Wallon malt gemalte Landschaften. Seit Beginn ihrer Arbeit auf Leinwand im Jahr 2013 lässt sie Zweifel an ihrer Verbindung zur Tradition der Landschaftsmalerei aufkommen, um den Ort – den Ort einer individuellen und kollektiven Erinnerung – noch stärker zu hinterfragen. Zu diesem Zweck erstellt sie Screenshots aus vergessenen Dokumentenarchiven und verwendet Notizen, die sie vor Ort gemacht hat. Ihre Leinwände lassen Räume des Umherirrens, des Umherwanderns und des Durchquerens entstehen.
Hat sie diese Meeres- oder Berglandschaften gesehen, diese menschenleeren Strände, diese steilen Klippen, diese unruhigen Flüsse, diese nebligen Fernen, diese trockenen Wüsten? Ist sie diesen verirrten Skifahrern, diesen verlorenen Spaziergängern, diesen geheimnisvollen Booten begegnet? Nur die Titel, Ortsnamen mit einzigartigem Klang, geben einige geografische Hinweise.
Ihre vielfältigen Blickwinkel scheinen eine unendliche, fast labyrinthische Räumlichkeit zu konstruieren, in der sich der Betrachter verlieren, innehalten und auf das Hinterland blicken kann – ein Begriff, der Yves Bonnefoy sehr am Herzen lag.
Die Figur – ob Mensch oder Tier, oft winzig klein – wird auf eine anonyme Präsenz reduziert, eingebettet in weite, bewegte Farbflächen, die zwischen Abstraktion und Figuration oszillieren.
Durch die Vereinfachung der Details und die Überdimensionierung ihrer Pinselstriche lässt Marine Wallon die gemalte Oberfläche vibrieren, was zudem durch ein intensives Farbenspiel noch verstärkt wird. Auf ihren sehr kleinen oder monumentalen Leinwänden prallen verschiedene Materialeffekte aufeinander. Manche Bereiche sind glatt und flächig bemalt; andere sind mit dicken Pinselstrichen bearbeitet, die auf verschiedene Werkzeuge – Spachtel, Schaber, Spatel, Lappen, Glaswolle … – schließen lassen, die die Materialität eines Bodens, eines Felsens oder einer Welle suggerieren.
Vor kurzem ist Marine Wallon zu ihrem ursprünglichen Malgrund zurückgekehrt: dem Papier. Sie kombiniert Acrylfarben, Ölpastell und Bleistift und nutzt die Leichtigkeit des Papiers, um die Flüchtigkeit ihrer Eindrücke einzufangen.
Auch ihr Schaffen im Bereich der Druckgrafik beginnt sich zu erweitern. Seit ihrer gravierten Kupferplatte „Isola“, die von der Chalcographie du Louvre in Auftrag gegeben und im Kupferstichverfahren gedruckt wurde, widmet sie sich weiterhin neuen Techniken.
Kuratorin: Anne Dary, ehrenamtliche Chefkonservatorin für Kulturerbe.




